Schweizer Ski-Nationalmannschaft für Hörbehinderte und Gehörlose

Informationen rund um den Gehörlosenskisport

 

Warum nehmen die Gehörlosen nicht an den Paralympics teil?

Unter der Gehörlosengemeinschaft ist die Unterstützung für separate Spiele überwältigend. Die Gehörlosen stufen sich selbst nicht als behindert ein, besonders was die physischen Fähigkeiten anbelangt. Wir beurteilen uns selbst als Teil einer kulturellen und sprachwissenschaftlichen Minderheit. Die gehörlosen Athleten sind körperlich gesund und daher fähig, die Wettkämpfe ohne Einschränkungen (mit Ausnahme der Kommunikationsbarrieren) zu absolvieren. Bei Mannschafts- und einigen individuellen Sportarten kann der Hörverlust limitiert werden. Diese Einschränkungen kommen also im Gehörlosensport vor.

Die Sportarten und Regeln sind identisch mit jenen der körperlich gesunden Sportler. Es gibt keine spezielle Sportart; eine einzige Anpassung besteht in der Sichtbarmachung von einigen hörenden Lautzeichen. Hier ein Beispiel: Startzeichen werden mit Lichtsignalen gegeben. Unter den gehörlosen Sportlern, welche zu den Wettkämpfen zugelassen werden, gibt es keine Einschränkungen, mit der Ausnahme, dass im besseren Ohr ein Hörverlust von mindestens 55 Dezibel bestehen muss. Im Vergleich zu den Gehörlosen-Wettkämpfen werden bei den paralympischen Spielen viele Extra-Veranstaltungen beigefügt. Zufolge der grossen Unterschiede in physikalischen Qualitäten werden die Sportler, welche bei paralympischen Spielen teilnehmen, gemäss der Behinderungsart klassifiziert. Dieses Klassifizierungssystem ist vielseitig und macht gewisse Angleichungen von Spielfeldern nötig.

Gibt es nicht genügend Sportler, werden die Kategorien kombiniert vorgenommen. Zum Beispiel gibt es acht Klassifizierungen für cerebral gelähmte Sportler, drei für Sehbehinderte, neun für Amputierte und eine für geistig Behinderte. Für Sportler mit Rückenbeschädigungen gibt es eine Anzahl von Klassifizierung je nach Sportart, welche praktiziert werden. Auch beim Schwimmen gibt es zehn Klassen.

Wenn sich Sportler an Paralympischen Spielen treffen, oder wenn Hörende und Gehörlose bei irgendwelchen Sportanlässen zusammenkommen, so können sich die hörenden Personen ohne Rücksicht auf die physikalischen Begrenzungen frei miteinander unterhalten, solange sie eine gemeinsame Sprache sprechen. Die Gehörlosen jedoch sind bei dieser Gruppe immer ausgeschlossen. Auf der anderen Seite können sich die Gehörlosen-Sportler bei Veranstaltungen mit jedem anderen ausländischen Sportler in der Gebärdensprache unterhalten. Bei den Gehörlosenspielen können sich die Sportler ohne Dolmetscher in der Gebärdensprache frei unterhalten, es sei denn, dass sich hörende Offizielle darunter befinden. Wenn aber die Gehörlosen-Sportler an den paralympischen Spielen teilnehmen, so benötigen sie zahlreiche Gebärdensprach-Dolmetscher, um die Kommunikationsbarrieren zu überbrücken. Ohne diese Dolmetscher wären jedoch die Gehörlosen auf sich selber gestellt und würden in der Isolation verschwinden. Der Zweck der Spiele, alle Athleten zusammenzubringen, ginge dann verloren.

Bei den Paralympischen Spielen werden strenge Limiten bezüglich der Anzahl Teilnehmer auferlegt. Viele möchten die geistig Behinderten nicht mit einbeziehen (spezielle Olympiade für geistig Behinderte wird durch eine private Organisation auf den Plan gerufen und sind nicht teil des IPC) wegen der grossen zusätzlichen Teilnehmerzahl.

Weltspiele der Gehörlosen und Paralympische Spiele

In Atlanta nahmen ca. 4000 Athleten an den paralympischen Spielen teil. Bei Gehörlosen sind normalerweise 2500 Sportler anwesend. Es ist also ersichtlich, dass die Paralympics eine so grosse Anzahl von Sportlern nicht aufnehmen würde. Um eine limitierte Anzahl von Gehörlosen zu den Wettkämpfen zulassen zu können, müssten andere Behindertengruppen eingeschränkt und gekürzt werden. Alle Behinderten-Sportler hätten unter dieser Massnahme zu leiden.

Jerald M. Jordan, USA, ehemaliger Präsident, ICSD

 

Die Gebärdensprache

Als Gebärdensprache bezeichnet man eine eigenständige, visuell wahrnehmbare Natürliche Sprache, die insbesondere von gehörlosen und stark schwerhörigen Menschen zur Kommunikation genutzt wird.

Gebärdensprache besteht aus kombinierten Zeichen (Gebärden), die vor allem mit den Händen, in Verbindung mit Mimik und Mundbild (lautlos gesprochene Wörter oder Silben) und zudem im Kontext mit der Körperhaltung gebildet werden.

Quelle: http://www.gehörlosenzentrale.ch


  • Die Gebärdensprachen sind wissenschaftlich als vollwertige und eigenständige Sprachen anerkannt.

  • Gehörlose wachsen zweisprachig auf: Einerseits mit unserer Lautsprache, an­dererseits mit der Gebärdensprache.

  • Entgegen der weitverbreiteten Meinung gibt es nicht nur eine Gebärdensprache: es sind durchaus Unterschiede zwischen Ländern vorhanden, ebenso existieren Dialekte innerhalb eines Landes.

  • Trotzdem ist es für Gehörlose einfach, sich Länderübergreifend unterhalten zu können.

  • Nicht jedes gesprochen Wort hat eine eigene Gebärde, d.h. es können mehrere Informationen parallel übertragen werden. So gibt es z.B. nur eine Gebärde für „fährt über eine Brücke“.

  • Der Gesichtsausdruck (Mimik) ist oft unterstützender Bestandteil der Gebärden­sprache.

  • Die Gebärden sind häufig abstrakt und nicht bildhaft.

     

 

Gehörlosigkeit

Das Wort Gehörlosigkeit bezeichnet das vollständige oder weitgehende Fehlen des Gehörs bei Menschen. Der Ausdruck wurde schon im 19. Jahrhundert im deutschen Sprachraum, aber jetzt vermehrt gleichbedeutend mit Taubheit verwendet. Taubheit kann unilateral, d.h. auf nur einem Ohr oder beidseitig vorkommen. Von Gehörlosigkeit wird bei einer bilateralen Taubheit gesprochen.

Gehörlosigkeit ist synonym zu den Begriffen hochgradiger Schwerhörigkeit oder hochgradiger Hörschädigung oder Resthörigkeit. So hat medizinisch gesehen ca. 98 % aller Gehörlosen ein Restgehör. Wer dieses nicht hat, ist taub. Bei diesen drei Synonymen handelt es sich um eine Hörbehinderung, bei denen akustische Reize nur noch mit Hörhilfen wie dem Hörgerät oder einem Cochlea-Implantat wahrgenommen werden können. Ob Gesprochenes mit diesen Hörhilfen verstanden werden kann, ist individuell sehr verschieden. Tritt die Hörschädigung erst nach dem natürlichen Alter des Spracherwerbs auf (ca. ab dem 3. Lebensjahr), so spricht man von postlingualer Ertaubung, zu Deutsch Spätertaubung.

Der Begriff taubstumm wird von tauben Personen diskriminierend empfunden. Das Wort "taub" ist etymologisch mit "stumm" mit "dumm" verwandt. Die englische Wendung "deaf and dumb" bedeutet taubstumm - auch sie wird nicht mehr gebraucht. "Dumb" hat die gleiche Bedeutung wie dumm. Ausserdem können heute alle Gehörlosen bzw. taube Personen kommunizieren, ob in der Gebärdensprache oder in der Lautsprache. Daher ist im Deutschen entweder der Begriff "gehörlos" oder "taub" zu verwenden, während man im Englischen den Begriff deaf verwendet, wobei letzteres von deutschen und schweizer (Gebärdensprache bevorzugende) Gehörlosen gern als Synonym für "gehörlos" verwendet wird. Allerdings wird das Wort von ihnen gross geschrieben – Deaf – analog zu Volksnamen, die gemäss der englischen Orthographie stets gross geschrieben werden, um die Ethnizität der Gehörlosenkultur (Deaf culture) zu verdeutlichen.

Medizinisch wird Taubheit (lateinisch: Surditas) nach absoluter Taubheit für alle Schallreize und nach praktischer Taubheit mit Hörverlust für laute Umgangssprache bei noch vorhandener Wahrnehmung einzelner Töne u. Geräusche (> 70 dB) unterschieden.

Angeborene Taubheit kann entweder vorgeburtlich erworben sein oder als isolierte erbliche Form sowie im Rahmen von Fehlbildungssyndromen auftreten. Erworbene Taubheit (Innenohrschaden) kann als Folge von z.B. Meningitis, Scharlach, Mumps, Masern, Tuberkulose, Mittelohr-Erkrankungen, Otosklerose, u.a. (bei absoluter Taubheit stets mit Innenohr- oder Hörnervbeteiligung) auftreten.

[Enzyklopädie: Gehörlosigkeit. DB Sonderband: Wikipedia 2005/2006]